6 Dos and Don'ts für die perfekte Beratungsausschreibung – was RFPs wirklich entscheidet
Eine Ausschreibung für Beratungsleistungen (RFP – Request for Proposal) ist kein Formalprozess, sondern ein strategisches Instrument. Wer es richtig einsetzt, zieht die richtigen Beratungsfirmen an, erhält vergleichbare Angebote und trifft eine fundierte Entscheidung. Wer es falsch einsetzt, verliert Zeit, Geld und landet trotzdem beim falschen Partner.
Die folgenden sechs Dos und Don'ts basieren auf den typischen Schwachstellen, die wir in Ausschreibungsprozessen für Beratungsleistungen beobachten.
1. Do: Definieren Sie das Problem, nicht die Lösung
Ein häufiger Fehler: Das RFP beschreibt bereits im Detail, welche Methodik eingesetzt werden soll, wie viele Workshops stattfinden und welche Berater-Profile gefragt sind. Damit schließen Sie die besten Antworten aus, bevor die Frage überhaupt gestellt wurde.
Beschreiben Sie stattdessen präzise die Ausgangssituation, die gewünschten Ergebnisse und die Rahmenbedingungen (Budget, Zeitrahmen, interne Kapazitäten). Lassen Sie erfahrene Beratungsfirmen den Lösungsweg vorschlagen – das ist Teil ihrer Leistung.
Don't: Überspecify den Prozess und underspecify das Ziel. Das Gegenteil ist zielführend.
2. Do: Legen Sie Bewertungskriterien offen – und gewichten Sie sie
Transparente Bewertungskriterien verbessern die Angebotsqualität spürbar. Wenn Beratungsfirmen wissen, dass Teamkompetenz (30 %), Methodenvorschlag (30 %), Referenzprojekte (20 %) und Preis (20 %) bewertet werden, richten sie ihr Angebot danach aus.
Eine Preisgewichtung unter 30 % signalisiert, dass Qualität zählt – und zieht entsprechend qualitätsorientierte Anbieter an. Wer Preis mit 50 % oder mehr gewichtet, erhält günstige Angebote mit entsprechenden Abstrichen.
Don't: Bewertungskriterien intern halten und Anbieter im Ungewissen lassen. Das führt zu Angeboten, die am Bedarf vorbeigehen, und zu einem Auswahlprozess, der intern nicht dokumentierbar ist.
3. Do: Fordern Sie konkrete Deliverables und Meilensteine im Angebot
Bitten Sie Beratungsfirmen, in ihrem Angebot konkret zu beschreiben, was sie liefern – nicht nur, wie sie arbeiten. Welche Dokumente entstehen? Welche Zwischenergebnisse gibt es? Was ist am Ende der Projekt-Laufzeit nachweisbar vorhanden?
Das schützt Sie vor dem klassischen "Beratungstheater" – viele Meetings, wenig substanzielle Ergebnisse – und macht Angebote vergleichbar.
Don't: Angebote auf Basis von Prozessbeschreibungen bewerten ("Wir führen Stakeholder-Interviews durch und entwickeln gemeinsam eine Roadmap"). Das ist kein Deliverable, das ist eine Absichtserklärung.
4. Do: Geben Sie ausreichend Zeit zur Angebotserstellung
Komplexe Beratungsanfragen brauchen zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit für ein substanzielles Angebot. Wer ein RFP mit einer Woche Frist aussendet, erhält Standardangebote aus der Schublade – oder gar keine Rückmeldung von den besten Firmen, die sich das aussuchen können.
Qualität kostet Aufwand. Gute Beratungsfirmen investieren 20–40 Stunden in die Erstellung eines differenzierten Angebots – aber nur, wenn die Frist das erlaubt und das Mandat attraktiv genug wirkt.
Don't: Knappe Fristen als Effizienzinstrument missverstehen. Sie sortieren nicht Unentschlossene aus, sondern Qualitätsanbieter.
5. Do: Führen Sie strukturierte Pitch-Gespräche mit einem festen Fragenkatalog
Wenn Sie mehrere Beratungsfirmen zum Pitch einladen, sorgen Sie für Vergleichbarkeit: gleiche Zeitvorgabe, gleiche Grundstruktur, gleicher Fragenkatalog. Nur so können Sie Antworten sinnvoll gegenüberstellen.
Fragen Sie dabei gezielt: Welche Berater übernehmen welche Rollen im Projekt? Welche konkreten Erfahrungen bringen sie für genau diese Fragestellung mit? Wie gehen sie mit Scope-Erweiterungen um? Was passiert, wenn Projektziele nicht erreicht werden?
Don't: Den Pitch ausschließlich als Präsentationsrunde verstehen. Der Pitch ist ein strukturiertes Gespräch, kein Monolog.
6. Do: Prüfen Sie Referenzen aktiv – und unabhängig
Referenzlisten sind das, was Beratungsfirmen zeigen wollen – nicht zwingend das, was für Ihre Entscheidung relevant ist. Fragen Sie nach Referenzprojekten, die Ihrer Ausgangslage möglichst ähneln: gleiche Branche, ähnlicher Projekttyp, vergleichbare Unternehmensgröße.
Und dann sprechen Sie wirklich mit diesen Referenzkunden – nicht per E-Mail, sondern per Telefon. Fragen Sie: Was lief schlechter als erwartet? Wie hat die Firma auf Probleme reagiert? Würden Sie wieder beauftragen?
Don't: Referenzlisten als Qualitätsnachweis akzeptieren, ohne sie zu verifizieren. Keine Beratungsfirma nennt Ihnen einen unzufriedenen Kunden von sich aus.
Fazit
Ein gutes RFP ist kein bürokratischer Akt, sondern der erste Test dafür, ob eine Beratungsfirma wirklich zu Ihnen passt. Wie ein Anbieter auf Ihre Ausschreibung reagiert – wie genau er Ihre Fragen beantwortet, wie transparent er über Risiken spricht, wie konkret er seine Deliverables beschreibt – ist ein direkter Indikator für die Zusammenarbeit im Projekt. Wer die Ausschreibungsphase ernst nimmt, entscheidet besser. Und wer besser entscheidet, verschwendet weniger Budget an die falsche Beratungsfirma.
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